Was für eine Frage?

Um allen, die keine Zeit haben den ganzen Artikel zu lesen und um die Spannung vorwegzunehmen, formuliere ich folgendes Statement:

„In einem gut organisierten und leistungsorientierten Betrieb ist die Instandhaltung ein wichtiger Wertschöpfungsfaktor für das reibungslose Funktionieren der Produktion.“

Damit könnte ich meinen Bericht schon wieder beenden, allerdings mit dem negativen Beigeschmack, keinen wesentlichen Beitrag geleistet zu haben.

Im Prinzip verursachen aber alle Bereiche in einer Firma Kosten. Von der Geschäftsführung über Finanz, Einkauf, EDV, Materialwirtschaft bis zum Facility Management. Aber wer traut sich einem Geschäftsführer ins Gesicht zu sagen, dass er viel zu viele Kosten verursacht? Der Instandhalter wird aber fast täglich mit dieser Aussage und ähnlichen Kommentaren konfrontiert.

Nehmen wir einmal an, dass alle Instandhalter eine Woche lang ausfallen. Das darauffolgende Chaos ist vorprogrammiert. Wenn ich seinerzeit als Geschäftsführer einer Servicefirma 2 Wochen auf Urlaub war, hat kein Hahn nach mir gekräht. Ganz im Gegenteil – alle waren heilfroh nach dem Motto: „Wenn die Katze aus dem Hause ist, haben die Mäuse Kirtag“

Die Mitarbeiter hatten weit weniger Stress und meine Stellvertreter hatten die Chance, sich zu profilieren.

Aber nun im Ernst: Was sind die Gründe, dass gerade die Instandhaltung als bedeutender Kostenverursacher in vielen Betrieben gilt? Dafür sind im Wesentlichen 2 Gründe maßgeblich:

 

1. Schuld ist immer die Instandhaltung

Um ein altes Sprichwort zu zitieren: „Den Letzten beissen die Hunde“ betrachten wir die Wertschöpfungskette: „Kunden – Vertrieb – Produktion – Instandhaltung“. In dieser Reihenfolge ist die Instandhaltung, die meist auch noch für die Ersatzteile zuständig ist an letzter Stelle.

  • Werden Verfügbarkeitskennzahlen bei Anlagen nicht erreicht?
  • Können geplante Termine nicht eingehalten werden?
  • Sind Ersatzteile nicht sofort verfügbar?

Wer ist dann meistens schuld?

Natürlich – wie immer die Instandhaltung. Auch so „undenkbare Dinge“ wie zum Beispiel, Fehlkonstruktionen von Anlagenkomponenten, oder – Gott behüte – Fehlbedienungen von Produktionsmitarbeiter, werden nicht selten der Instandhaltung  in die Schuhe geschoben.

Bevor jetzt ein Aufschrei der Entrüstung entsteht, möchte ich nochmals festhalten, dass die oben genannten Beispielen selbstverständlich nur für alle anderen Betriebe gelten. Im eigenen Bereich sind solche negativen Beispiele immer auszuschließen und daher überhaupt nicht relevant.

 

2. Vermarktung der Instandhaltungsleistungen

Ein weiterer Grund ist, dass die Instandhaltung ihre Leistungen nicht richtig „verkaufen“ kann. In der Instandhaltung sind meistens Techniker beschäftigt. Das hängt auch mit der angeborenen, grenzenlosen Bescheidenheit von uns Technikern zusammen. Das Motto eines professionellen Verkäufers ist: „Tue Gutes und rede darüber“ Und das macht er mit einer professionellen Häufigkeit und mit den entsprechenden rhetorischen Fähigkeiten.

Dagegen ist das Motto eines exzellenten Technikers: „Tue Gutes und lasse die Anderen darüber reden“. Aber die Anderen denken gar nicht daran das tun. Und so werden viele Leistungen der Instandhaltung gar nicht richtig wahrgenommen. Das heißt: Alles ist selbstverständlich und daher gar nicht der Rede wert.

In der sogenannten „guten alten Zeit“, wo man als wichtigste Instandhaltungsstrategie das „Crash-Szenario“ kannte, war derjenige der beste Instandhalter, der in der Lage war, Störungen möglichst schnell und kreativ zu beheben. Wenn der Crash sehr groß war, hatte er dann sogar die Chance, dass ihm jemand anerkennend auf die Schulter klopfte. Heute ist der beste Instandhalter, derjenige der überhaupt keine Störungen mehr zulässt. Mit diesem Paradigmenwechsel hat der moderne Instandhalter nicht einmal die mehr die Chance einer Anerkennung in Form eines Schulterklopfens zu bekommen. Und so kommt es, dass so mancher alter Instandhaltungsmeister sehr, sehr traurig werden. Sie trauern der „guten alten Zeit“ nach und wehren sich mit Händen und Füßen gegen all die „teuflischen Methoden und Technologien“ einer  modernen Instandhaltung, wie zum Beispiel TPM, Planungsgrad, kontinuierliche Verbesserungen, Condition Monitoring, Risikobetrachtungen, etc. Aus unbestätigten Quellen hält sich das Gerücht, dass die Anzahl derjenigen, die diese „neuen Methoden“ verurteilen gar nicht so klein sein soll.

Uns interessiert nun brennend folgende Fragestellung: Welche Maßnahmen gibt es diesen Problemen entgegenzuwirken und das Image der Instandhaltung zu verbessern?

Dazu lesen Sie im nächsten Blog einige Tipps!

 

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